Damen 1: Ein Jahr nach den Massenunruhen in Tunesien

Der Trainer Nabil Habboubi stammt aus dem nordafrikanischen Land, wo er viele Verwandte und Freunde hat. Seit der vergangenen Saison führt der 48-Jährige die Volleyballerinnen des SV Fellbach an und kann bereits auf einen Aufstieg zurückblicken.


30.01.2012

Aus der Fellbacher Zeitung, von Markus Merz.

 

Ziemlich genau ein Jahr ist es jetzt her, dass es in Tunesien zu landesweiten Massenunruhen kam. In Gewaltausbrüchen und Plünderungen drückte sich dabei der Protest gegen das Regime sowie die Lebensbedingungen in dem nordafrikanischen Land aus. Für Nabil Habboubi, den Trainer der Volleyballerinnen des SV Fellbach, waren diese Vorkommnisse grauenvoll - Bilder des Schreckens, aber auch Bilder des Bangens. Denn während der heute 48-Jährige bereits seit 1990 in Deutschland lebt und nur noch zum Urlaub in die Heimat fliegt, wohnt fast die gesamte Familie von Nabil Habboubi in Tunesien, etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Tunis entfernt. "In den Zeiten der Unruhen war der Kontakt zur Familie das Allerwichtigste. Die Angst, dass meinen Verwandten und Freunden etwas passieren könnte, war immer da", sagt Nabil Habboubi. Bis heute weiß der sportbegeisterte dreifache Familienvater - er hat drei Söhne im Alter von 19, 16 und fünf Jahren - aber nichts von irgendwelchen privaten Beeinträchtigungen nach den Massenunruhen in Tunesien.

Mehr als ein Jahr danach hat sich die Lage etwas beruhigt. Und in Murrhardt, wo Nabil Habboubi wohnt, ist die Welt sowieso eine andere, weil es dort viel beschaulicher und entspannter zugeht. Nach ein paar Problemen mit der Sprache hat sich der Tunesier in Deutschland nach seiner Ankunft 1990 hervorragend eingelebt und bei der Volleyball-Abteilung des TV Murrhardt schnell Freunde gefunden. "Freunde, die ich noch heute habe", sagt Nabil Habboubi.

Seit Sommer 2010 ist er für die Volleyballfrauen des SV Fellbach verantwortlich. Gleich in der ersten Saison ist das Team von der Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen und möchte in den verbleibenden Partien dieser Spielzeit den Klassenverbleib schaffen - so früh wie möglich. "Nach dem Aufstieg und einem Auftaktsieg waren wir im siebten Himmel, sind dann aber ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt", sagt Nabil Habboubi. Heute (15 Uhr) geht es für den sechstplatzierten SVF zum Tabellennachbarn SV Salamander Kornwestheim. "Wenn wir es schaffen, unsere Nervosität loszuwerden, ist für das Team noch einiges drin", sagt Nabil Habboubi, der die C-Trainerlizenz besitzt und im Sommer mit dem Lehrgang zur B-Lizenz beginnen will.

Der gelernte Hotelfachmann hat noch viel mit den Volleyballerinnen des SV Fellbach vor: "Wenn ich ganz ehrlich bin, will ich mehr als nur die Landesliga. Es war immer mein Ziel, eine Mannschaft mit Ambitionen zu trainieren. Und wenn ich darf, würde ich gerne noch lange in Fellbach bleiben." Beim SVF sieht Nabil Habboubi beste Voraussetzungen für langfristigen Erfolg: "Wir haben hier 50 bis 60 Spielerinnen. Das gibt es doch nicht überall. Deshalb müssen wir davon auch irgendwann profitieren."

Nabil Habboubi selbst hat einst von erfolgreichen Volleyballerinnen in seiner Heimat und einem japanischen Trainer profitiert. "Von ihm waren wir damals alle begeistert." Und weil es im Tunesien der 1970er und 1980er Jahre natürlich noch keine Laptops und Computer gab, blieb den Einheimischen oft nur der Sport. Über Fußball und sporadische Handball-Einsätze kam Nabil Habboubi schließlich zum Volleyball und möchte heute andere von seinen Erfahrungen profitieren lassen. Also leitet er beim TV Murrhardt noch heute einmal pro Woche eine Trainingseinheit für den Nachwuchs: "Ich wollte nicht immer nur konsumieren, sondern etwas zurückgeben." Das gilt auch für sein Engagement beim SV Fellbach, zu dem er ebenso per Internet kam wie vor etwa einem Jahr an Informationen über die Massenunruhen und Protestaktionen in Tunesien.


Ansprechpartner Presse

Stephan Peéry
Presse & Öffentlichkeitsarbeit
SV Fellbach, Abteilung Volleyball
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