Das Projekt soll fortgesetzt werden

Alexandra Berger denkt schon über den bevorstehenden Zweitliga-Abstieg der Fellbacher hinaus.


08.02.2019

Vergeblicher Kampf: Alexandra Berger, Thiago Welter und das SVF-Team Foto: Patricia Sigerist

Der Trainer war zuletzt in Schwaig richtig unzufrieden: mit sich selbst – als Spieler. Thiago Welter hatte sich mit seiner Leistung furchtbar enttäuscht. Er wollte an jenem Abend nur noch mit sich ins Gericht gehen und lieber nicht mehr reden. „Thiago ist sehr, sehr ehrgeizig“, sagte Alexandra Berger an seiner Stelle. Die 35-Jährige ist nicht nur die Abteilungsleiterin der Volleyballer des SV Fellbach, sie ist auch die Assistentin des ehemaligen Profis aus Brasilien. Wenn der Chef selbst spielt wie seit einigen Wochen, vertritt sie ihn als A-Lizenz-Anwärterin an der Seitenlinie. Und wenn Thiago Welter mit seiner Vorstellung hadert wie vor sechs Tagen beim 1:3 in Franken, übernimmt sie seine Aufgaben hinterher eben auch. „Thiago ist ein 200-prozentiger Mensch“, sagte sie. Er konnte seinem Team nicht helfen. Schmerzlich für den Spielertrainer. Zumal seinem Team, am Sonntag (14 Uhr, Bayernwerk-Sportarena) beim TSV Unterhaching II zu Gast, jetzt so gut wie nicht mehr zu helfen ist in der zweiten Bundesliga.

In Schwaig hat die neu formierte Mannschaft gezeigt, wie konkurrenzfähig sie sein kann auf zweithöchstem Level im Land. Die Gäste um den Kapitän Manuel Harms und Alexander Benz entschieden beim Tabellenfünften den dritten Satz für sich, im vierten waren sie nach bemerkenswertem Auftritt am Ende nur knapp hintendran. Dieses Team könnte sich womöglich vollends herankämpfen an das Niveau in der zweiten Liga, ihm fehlt jedoch die Zeit dafür. Nach der 13. Niederlage in dieser Runde hat der Vorletzte noch immer neun Punkte Rückstand auf jenen zehnten Tabellenplatz, der über den Sommer hinaus den Ligaverbleib verspricht. Und nur noch sieben Begegnungen stehen aus. Fraglich mithin, ob überhaupt sieben Siege reichen würden.

Alexandra Berger muss auch in ihrer Funktion als Abteilungsleiterin vom – vorläufigen – Ende der Fellbacher Zweitliga-Zeit ausgehen. Nach dem Aufstieg 2012 und den Titeln 2015 und 2016 steht der Abstieg bevor. „Wir wollen den Spielern so früh wie möglich ein Konzept präsentieren. Sie sollen sich bei uns weiterentwickeln“, sagt Alexandra Berger: „Wir wollten eine junge Mannschaft, wir haben eine junge Mannschaft – und wir wollen mit dieser jungen Mannschaft weiterarbeiten.“

Für diesen Plan braucht der SV Fellbach wohl einen neuen Cheftrainer. Thiago Welter, 30, will sein Studium der Automobiltechnologie nach der Bachelorarbeit um einen Masterabschluss ergänzen und dafür in seiner Sportart kürzertreten. Alexandra Berger möchte den geschätzten, wenn auch zuletzt mit sich selbst unzufriedenen Mitstreiter (Ex-Spieler Jan Jalowietzki: „Thiago ist einer der besten Trainer, die ich je hatte“) aber in der Abteilung nicht mehr missen. „Wir hoffen, dass er bei uns weiterhin im Boot bleibt“, sagt die Steuerfrau.

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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