Beachvolleyball: Der Sand und das Mehr

Yannick Harms und Philipp Arne Bergmann trainieren in Sichtweite zur Mercedes-Benz-Arena: Die beiden vom Zweitligisten SV Fellbach sind das Strandteam der Stunde bei den Männern im Land, müssen aber schauen, wie sie über die Runden kommen.


05.08.2017

Fotos: Patricia Sigerist

 

Die Sonne strahlt auf diesen ungeschützten Flecken des Planeten herunter. Man kann sich jetzt vielleicht schon vorstellen, Beachvolleyballer zu sein, aber halt unter Palmen, unter vielen Palmen. Und darunter dann auch, gleich nebenan, die Strandbar. Dieser Strand in Bad Cannstatt muss ohne Bar auskommen. Ohne Palmen. Und ohne Schatten. Die Temperatur beträgt in diesem schwäbischen Teil der Welt gerade 31 Grad – im Schatten. Doch weit und breit kein Schatten. Den kurzbehosten Männern, die sich den Sand teilen, ist das einerlei. Sie trainieren und spielen fast Tag für Tag, und sie können nicht einfach zu Hause bleiben, weil es mal zu heiß ist oder zu kalt. Jörg Ahmann hätte dazu sicher auch was zu sagen; zu Hause bleiben ist keine Lösung. Der Stützpunktleiter, Cheftrainer und Teammanager der Beach-Asse in Stuttgart beobachtet an diesem Nachmittag das halbe Dutzend, das seinen Anweisungen folgt. Darunter ist, ganz unauffällig, ein Duo, das in diesem Jahr bundesweit auffällig geworden ist. Philipp Arne Bergmann, 26, und Yannick Harms, 23, sind derzeit zumindest das zweitbeste deutsche Doppel. Die zwei, unter Hallendächern immer wieder gern für die Zweitliga-Mannschaft des SV Fellbach am Start, wollen noch mehr, daran arbeiten sie. Die Sonnenmilch aus dem Sortiment eines Sponsors, mit Lichtschutzfaktor 50, versieht auf den Spielfeldern ihren Dienst, und Palmen für die Pausen brauchen sie auch nicht. „Wir sitzen hier nicht so viel herum“, sagt Yannick Harms.

In Sichtweite zum Barfußvölkchen droht die Mercedes-Benz-Arena wie ein mit Invasionsplänen dahergesteuertes Raumschiff. Tatsächlich hat der Fußball ein einnehmendes Wesen. Für die meisten anderen Sportarten bleibt wenig übrig, dafür können nicht selten selbst viertklassige Kicker von Kurz- und Querpässen leben. Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms sind erstklassig. Aber sie bekommen keine Millionen wie die Aufsteiger vom VfB Stuttgart; sie müssen mit ein paar Euro über die Runden kommen. Die Beachvolleyballer schauen selber nach Sponsoren, die ihnen ihr Turnierleben überhaupt ermöglichen. Sie sitzen selber („Immer abwechselnd“) am Lenkrad, wenn sie etwa an die Ost- oder Nordsee fahren. Sie haben zwar gute Trainingsbedingungen in Bad Cannstatt, aber keinerlei finanzielle Unterstützung mehr von der Sporthilfe oder dem Deutschen Volleyball-Verband. Sie werden außerhalb der vertrauten Wirkungsstätte, in der Dachorganisation ihrer Sache, wenig beachtet, die Nationalteams sind in Hamburg. Doch Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms haben die Verbandshierarchie wenig beachtet und sind nun bei den Männern so etwas wie das Beach-Team der Stunde zwischen Konstanz und Kiel.

Die Kleinstfahr- und lerngruppe aus der Ahmann-Schule ist seit drei Monaten mit Bestnoten unterwegs. Die beiden haben in der höchsten Turnierreihe der Republik die meisten Punkte gesammelt, dreimal schon den finalen Treffer für sich beansprucht: in Nürnberg, in Kühlungsborn und in Binz. Dabei können sie gar nicht alle nationalen Spielorte ansteuern, weil sie auch internationale Schauplätze in ihre Reisepläne aufgenommen haben. So wie zuletzt, als sie ihren Kurztrip an die türkische Mittelmeerküste nach Mersin ebenso mit dem fünften Platz abschlossen wie davor jenen nach Ljubljana in die Hauptstadt Sloweniens. „Wir wollen uns weiterentwickeln“, sagt Philipp Arne Bergmann. Nur wer über Grenzen hinweg die eigenen Grenzen erweitert, kann in dieser Sportart den Weltbesten näherkommen. Die Weltbesten spielen nicht in Kühlungsborn oder Binz. „Wir haben deshalb den Entschluss gefasst, international zu spielen, immer dann, wenn es möglich ist.“ Auch finanziell.

Im Land sind sie schon ganz schön weit gekommen, auch wenn seitens des Deutschen Volleyball-Verbandes jedwede Reaktion darauf ausblieb. „Sie sind konstant und bleiben cool – bei drei Siegen auf der deutschen Tour kann man nicht meckern“, sagt Jörg Ahmann. „Bei uns weiß der eine, wie der andere tickt. Zudem haben wir einen hohen Anspruch an uns selbst“, sagt Philipp Arne Bergmann: „Yannick ist sehr, sehr selbstkritisch, ich bin perfektionistisch. Das steht uns manchmal im Weg, macht uns aber auch besser.“ So gut sind sie mittlerweile, dass der Titel bei den deutschen Beach-Meisterschaften in Timmendorfer Strand (31. August bis 3. September) mehr ist als ein Traum: ein Ziel. „Das ist unser Saisonhöhepunkt. Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur ein Team sind, das da halt hinfährt“, sagt Yannick Harms. Sondern im Idealfall: das Team, das dahinfährt.

Im Vorjahr hatte eine Knieverletzung Philipp Arne Bergmann lange gebremst. Nun genießt er es umso mehr, wieder Zeit in Sandkisten zu verbringen und Gegner zu blocken: „Ich habe richtig Bock drauf.“ Er genießt es bis auf Weiteres überhaupt, Beachvolleyballer zu sein: „Du bist sehr frei in dem, was du tust.“ Yannick Harms fügt hinzu: „Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht.“ Dafür trainieren und spielen die beiden fast Tag für Tag. Dafür bleiben sie nicht zu Hause, wenn es mal zu heiß ist oder zu kalt. Dafür kommen sie an ihrem Lieblingsstrand in Bad Cannstatt ohne Bar aus. Ohne Palmen. Und ganz ohne Schatten.

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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