Die Silbermedaille ist Blech

Auch beim Verlierer wird einer - wie zuletzt etwa Marvin Klass - zum wertvollsten Spieler seines Teams gekürt. Die fragwürdige Ehre würde das Zweitliga-Team des SV Fellbach am Samstagabend in der Gäuäckerhalle I gern der TG Rüsselsheim überlassen. Thomas Rennet, Fellbacher Zeitung


07.11.2014

Bloß kein Silber: Der Fellbacher Kapitän Marvin Klass will seine Nebenleute zum Sieg gegen die TG Rüsselsheim führen. Foto: Patricia Sigerist

Das ist schon ein bisschen eine Zumutung. Am Ende jeder Begegnung in der ersten oder in der zweiten Bundesliga der Volleyballer wird nicht nur vom Sieger ein Spieler herausgehoben. Auch beim Verlierer wird der wertvollste Akteur gekürt. Er bekommt die Silbermedaille. Aber genau genommen ist das Blech. Vor sechs Tagen in der Hegel-Sporthalle in Vaihingen musste Marvin Klass die Prozedur mit einem tapferen Lächeln überstehen. Er war trotz einer Adduktorenblessur noch der Beste gewesen beim SV Fellbach. Der Beste unter Schwachen. Kein Grund für eine Ehrung. Lieber hätte er sich nach der 1:3-Niederlage beim Zweitliga-Nachbarn TSV G. A. Stuttgart in aller Stille geärgert. Dafür gab es reichlich Grund. 'Immer wenn wir uns etwas Besonderes vornehmen, geht es in die Hose', grummelte der 25-jährige Kapitän hinterher bei der Aufarbeitung des Geschehens. Und das vor dem Heimspiel am Samstag (20 Uhr, Gäuäckerhalle I) gegen die TG Rüsselsheim: Die Verabredung mit dem Zweiten der vergangenen Saison um den Trainer Luis Ferradas erfordert in gewisser Weise ja auch wieder etwas Besonderes in der zweithöchsten Spielklasse.

Marvin Klass hatte noch das zweite Saisonspiel beim GSVE Delitzsch in Erinnerung. Der SVF-Trainer Diego Ronconi hatte den Gegner eine Woche zuvor eigens im fränkischen Eltmann unter die Lupe genommen. Die Gäste aus Fellbach waren bestens vorbereitet. Doch der Sieg in Sachsen fiel dann aus. Dem Prüfling fehlte nicht das Wissen, aber die Reife für diese Aufgabe. Ähnlich war das nun auch in Stuttgart. Wieder blieb dem SVF die Lösung vorenthalten, der zielstrebigere Konkurrent war ungleich präziser und nicht aufzuhalten auf seinem Weg. 'Jeder Spieler war unter Normalform, das war leider ein Schritt nach hinten', sagte Diego Ronconi.

Die Zweitliga-Mannschaft des SV Fellbach hat, das muss man auch festhalten, beim Tabellenersten in Sachsen und beim Tabellenzweiten in Stuttgart mit 1:3 verloren. Das kann passieren. Und das passiert zwangsläufig, wenn sie keinen knackigen Widerstand organisiert bekommt. Auch und wohl nicht zuletzt gegen die TG Rüsselsheim. Die Hessen gehören zu den Titel anwärtern. In der vorhergehenden Runde ließen sie nur den L. E. Volleys aus Leipzig den Vortritt. Und jetzt sind sie nach mehreren Veränderungen im Kader eher nicht schwächer besetzt. Neu in Rüsselsheim ist Henning Wegter, sechs Jahre lang in der ersten Liga am Ball. Neu ist auch der Neuseeländer Ben O'Dea, ein quirliger Angreifer. Oder Torben Tidick-Wagner, noch ein Spieler mit Erstliga-Erfahrung. Mit dem Rückkehrer Jörn Freiwald und den verbliebenen Kräften bilden sie ein versiertes Ensemble in der zweiten Liga. Vielleicht das versierteste. Zuletzt war es zweimal erfolgreich. Zweimal mit 3:0. 'Die Rüsselsheimer sind auf dem aufsteigenden Ast. Das wird sehr, sehr schwer für uns', sagte Diego Ronconi.

Doch die Gäste haben in dieser Saison auch schon zweimal verloren. Und die Fellbacher ihrerseits noch keinmal zu Hause. Bei ihren 3:0-Erfolgen im Oktober gegen die FT Freiburg und den ASV Dachau konnten die Schlagmänner um den Zuspieler Patrick Köder, anders als in Delitzsch und in Stuttgart, Schwächephasen überwinden. Später waren die Spätstarter überlegen. Markus Hainich und - gegen den ASV Dachau - Philipp Arne Bergmann erhielten die goldene Auszeichnung als wertvollste Spieler. Silber wollen die Fellbacher am Samstag auch den Reisenden der TG Rüsselsheim überlassen. Marvin Klass jedenfalls hat genug von dem Blech. Er kann gut darauf verzichten, zum wertvollsten Spieler beim Verlierer gekürt zu werden. Das ist ja auch schon ein bisschen eine Zumutung.

Info Die zweite Mannschaft des SV Fellbach steht in der Regionalliga ungleich schlechter da. Nach fünf Niederlagen erwartet der Tabellenletzte am Samstag (16.30 Uhr, Gäuäckerhalle I) die TSG Heidelberg-Rohrbach.


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