Ein Heiratsantrag überstrahlt alles andere

Tibor Filo erfährt in der Gäuäckerhalle I von seiner Lebensgefährtin auf Knien Konkretes über die gemeinsame Zukunft. Danach setzen die Zweitliga-Akteure des SV Fellbach ihre sportlichen Bemühungen fort und verlieren erneut, diesmal mit 2:3.


21.11.2016

Foto: Picture Partners

Kann niemand kommen und behaupten, ihm werde bei den Volleyballern des SV Fellbach nichts geboten. Manchmal hat das gar nicht vorrangig mit dem sportlichen Geschehen zu tun. Am Samstag durften die rund 250 Zuschauer in der Gäuäckerhalle I einigermaßen gebannt einen Heiratsantrag miterleben. In einer dafür eigens anberaumten Pause nach zwei Sätzen wollte Tibor Filo, gerade noch als Blocker am Netz, von seiner Lebensgefährtin Mia auf Knien Konkretes wissen zur gemeinsamen Zukunft. Dafür hatte er seine Freundin von der Tribüne gebeten, das Maskottchen Rudi Rudeltier geleitete sie die Stufen hinunter zum wartenden Ehemann in spe. Die Antwort war das ersehnte Ja. Und dazu tanzten die Teamgefährten sie hatten sich geschwind in Schale geworfen zur Feier des Augenblicks mit Krawatte an der Brust und Rose im Mund. So gelöst wie beim Hüftschwung nahmen sie dann auch ihre Bemühungen wieder auf. Jene Last, die sie in diesen Wochen auf den Spielfeldern der zweiten Bundesliga mit sich herumschleppen, kam ihnen allerdings nur in einem durchaus beschwingten dritten Durchgang leicht vor. Für einen Sieg hat die Vorstellung in ihrer Gesamtheit auch diesmal nicht gereicht. Der von Gesundheitsproblemen geplagte Meister hat gegen den auch ziemlich gebeutelten und bis dahin noch weiter nach hinten durchgereichten TV/DJK Hammelburg mit 2:3 (16:25, 27:25, 25:16, 14:25, 11:15) verloren und damit seit Ende Oktober schon vier Niederlagen aneinandergereiht.

Die Volleyballer des SV Fellbach hatten auch an diesem Samstag ihre Chancen. Sie sind gerade aber nicht mehr in einer Verfassung, in der sie diese Chancen zuverlässig nutzen können. Im fünften Satz lagen sie mit 5:1 in Führung. Jonas Hanenberg hatte nach seiner Einwechslung die Gastgeber wieder vitalisiert und mit seinen Aufschlägen Branko Damjanovic auf der anderen Seite des Netzes von einer Verlegenheit in die nächste gestürzt. Ein 5:1 im Tiebreak kann unter Männern in der zweiten Liga schon eine kleine Vorentscheidung sein. Wer nach dem Service des Gegners sein eigenes Offensivpotenzial weithin erfolgreich einsetzen kann, der kommt nach einem 5:1 im Tiebreak ans Ziel. Der SV Fellbach hat im Angriff derzeit aber nicht das Potenzial dafür. Yannick Harms, ein Experte für den rasanten Schmetterball, konnte gegen die fränkischen Gäste zwar erstmals wieder mitspielen nach knapp vier Wochen, allerdings nur als Libero. Wegen seiner Schulterbeschwerden musste er sich auf die Defensive beschränken. Der Kapitän Marvin Klass, sein kongenialer Nebenmann der vergangenen Saison, gehört nach einer Leistenoperation seit wenigen Wochen zwar wieder der Abteilung Attacke an, er leidet aber sichtlich unter hartnäckigen Schulterproblemen. Seine oft gebremsten Hiebe erlaubten am Samstag der gut eingestellten Reisegesellschaft aus Hammelburg zahlreiche Blockaktionen. „Wir bekommen es gerade im Außenangriff nicht geregelt“, sagte der SVF-Trainer Markus Weiß.

Zwar gefiel Tin Tomic, 19, auf dieser Position, und auch Pascal Winter, 22, hatte eine Reihe von guten Szenen. Aber dem SV Fellbach fehlt im Moment die Konstanz: für Siege in der zweiten Bundesliga. Zumal ohne anhaltende Durchschlagskraft oft das gescheite Passspiel verpufft. Patrick Köder hat seine Sache am Samstag überwiegend gut gemacht, aber die Wirkung konnte sich nicht entfalten. „Patrick schafft Einerblocksituationen, und wir schlagen dann in den Block“, sagte Markus Weiß. Auch Valters Lagzdins, der Hauptangreifer auf der Diagonalposition, ließ nach starkem Beginn nach – und an sich vielversprechend initiierte Abschlussgelegenheiten aus.

Patrick Köder gehört, das nur zur unerfreulichen Situation beim SV Fellbach, auch zu den Patienten der Mannschaft mit weitergehendem Behandlungsbedarf. Er hatte vor dem Heimspiel gegen die Hammelburger Gäste zweimal nicht mit- und zuspielen können, auch ihn beschäftigt die Schulterthematik. „Ich bekomme die Entzündung nicht raus. Es kann sein, dass ich noch einmal eine Pause einlegen muss“, sagte der 26-Jährige, wie Marvin Klass ein Schlüsselspieler der Mannschaft.

Dem Meistertrainer Markus Weiß fliegt gerade die Saison um die Ohren, weil mehrere der Verantwortlichen für vergangene Großtaten nicht oder nicht mehr in gewohnter Weise ihre Qualitäten ausspielen können. Doch ihren Teamgeist präsentieren die Fellbacher ungeachtet der sportlichen Beeinträchtigungen. Der Heiratsantrag von Tibor Filo vor Publikum, unterstützt von seinen lässig tänzelnden Nebenleuten mit Rosen, kein Zweifel, überstrahlt eine Niederlage drum herum in der zweiten Bundesliga, selbst wenn es die vierte nacheinander ist. SV Fellbach: Klass, Köder, Lagzdins, Nadale, Filo, Tomic, Harms, Winter, Leipert, Hanenberg, Bura, Mättig, Jalowietzki.

 

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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