Ein Universaltalent spielt geschmeidig zu

Sebastian Mättig überzeugt bei seinem Debüt in der Passzentrale und erzielt mit den stark aufspielenden Fellbacher Nebenleuten einen souveränen Sieg gegen die Stützpunkttalente vom Bodensee – den ersten in der zweiten Liga nach davor zehn Niederlagen.


30.01.2017

Fotos: Patricia Sigerist

So etwas ist durchaus eine Rarität in der zweiten Bundesliga: Sebastian Mättig war am Samstagabend der Zuspieler des SV Fellbach, dabei ist er an sich gar kein Zuspieler. „Wir haben in dieser Saison gelernt zu improvisieren“, sagte der Trainer Markus Weiß. Groß ist nun mal die Personalnot in dieser Saison. Und improvisieren muss der Trainer vermehrt noch dann, wenn sie auf einer Position besonders groß ist: wenn beide Zuspieler des Zweitliga-Kaders wegen Verletzung zuschauen müssen und der vertraute Nachrücker aus der zweiten Mannschaft nicht zur Verfügung steht. Ohne Patrick Köder, Christian Bura und Matthias Welsch hat der Trainer in einer außergewöhnlichen Situation einer außergewöhnlichen Option vertraut, einer richtig guten Option: Sebastian Mättig, ansonsten der Libero im Team, besetzte die Passzentrale, als hätte er bereits die vergangenen zehn Jahre damit verbracht, die Bälle geschmeidig an seine Angreifer zu verteilen. „Das lief ganz gut“, sagte Sebastian Mättig nach dem 3:0- Erfolg (25:10, 25:14, 25:13) gegen die Bundesstützpunkttalente der VYS Friedrichshafen.

Ein Libero nimmt bei Bedarf auf dem Volleyballfeld schon auch mal Aufgaben des Zuspielers wahr, deshalb wird aus einem Libero in den allermeisten Fällen aber nicht gleich ein Zuspieler, zumal in der zweiten Bundesliga. Sebastian Mättig, in Berlin einst bestens ausgebildet, hat eben diesen Rollentausch binnen kurzer Zeit hinbekommen: „Ein guter Volleyballer ist einer, der alles zumindest ein bisschen kann.“ Und im Zweifel auch noch ein bisschen besser. Drei Trainingseinheiten hat der 25-Jährige, ein Universaltalent offenbar, in neuer Funktion gerade mal absolviert, das hat reichen müssen: „Für mein Debüt als Zuspieler.“

Sebastian Mättig hat dabei am Samstagabend vor den 200 Zuschauern in der Gäuäckerhalle I mit neuem Auftrag keine Anspielstation ausgelassen. Er hat mitunter schnell gespielt über Jonas Hanenberg und Valentino Nadale, die Nebenleute in der Mitte. Er hat die bunte Kugel gar wie selbstverständlich über Kopf weitergeleitet zum Diagonalangreifer Philipp Arne Bergmann. Und er hat, klar, die Außenangreifer Yannick Harms und Jan Jalowietzki bedient. Das volle Programm. Der Aushilfspassgeber hat sich dabei so geschickt angestellt, dass Markus Weiß davon absehen konnte, Jonas Hemlein einzusetzen. Den ehemaligen Erstliga-Zuspieler, gut befreundet mit Jonas Hanenberg, hatten die Fellbacher kurzfristig als Option für dieses Spiel gewinnen können. Der 28-Jährige stand bereit, im Falle nennenswerter Schwierigkeiten einzugreifen, aber Sebastian Mättig war auf dem Spielfeld weit davon entfernt, in nennenswerte Schwierigkeiten zu geraten. Auch und nicht zuletzt wegen der tatkräftigen Unterstützung seiner Teamgefährten: „Die Mannschaft hat das gut gemacht, sie hat mir sehr geholfen.“

 

Die Leidensgemeinschaft des SV Fellbach hat nach ungezählten Rückschlägen und zuletzt zehn Niederlagen in Serie wieder ein Fundament beisammen, auf dem sich aufbauen lässt. Rund um den Zuspieler kamen nun schon zum zweiten Mal – eine Woche nach dem starken Auftritt beim Tabellenführer Volleys Eltmann (2:3) dieselben sechs Akteure für eine sehenswerte Vorstellung zusammen: der überragende Yannick Harms, Philipp Arne Bergmann, Jan Jalowietzki, Jonas Hanenberg, Valentino Nadale und der schulterversehrte Kapitän Marvin Klass als Defensivspezialist. „Es ist wichtig, in gleicher Konstellation zu spielen, wir brauchen die Routine“, sagte Markus Weiß. In dieser Zusammenstellung ist dem ab stiegsgefährdeten Meister der Jahre 2015 und 2016 am Samstag mit Klasse und zunehmender Konstanz der Pflichtsieg gegen die noch zu respektvollen Teenager vom Bodensee gelungen. So müssen die Fellbacher aber vier, fünf weitere Erfolge hinzufügen, wollen sie am Ende – wie jetzt – zumindest den zehnten Tabellenplatz innehaben. „Wenn wir eine gute Leistung hinkriegen, haben wir auch nächsten Samstag beim Tabellenvierten in Mainz eine Chance“, sagte Markus Weiß.

 

Sebastian Mättig will dazu wieder mit seiner Vielseitigkeit beitragen – an der Stelle, an der er dann gebraucht wird. Zuspieler wird bei nächster Gelegenheit nach Lage der Dinge aber wieder ein Zuspieler sein. SV Fellbach: Harms, Hanen- berg, Bergmann, Nadale, Jalowietzki, Mättig, Klass, Leipert, Lagzdins, Koch, Winter, Hemlein.

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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