Fortschritte und ein paar Sorgen

Nach dem 3:2-Erfolg gegen den SV Schwaig erwartet das Zweitliga-Team des SV Fellbach den TSV Unterhaching II und braucht wieder eine verwegene Vorstellung der Verbliebenen.


09.03.2018

Als junger Kerl trug Simon Tischer das Trikot des TSV Schmiden und des SV Fellbach. Mittlerweile ist er 35 und auf seiner Position immer noch besser als so gut wie jeder junge Kerl. Am Sonntag feierte der Kapitän und Zuspieler mit den Teamgefährten des VfB Friedrichshafen in Mannheim den Pokalsieg. Es war der 15. für die Volleyballer vom Bodensee in den vergangenen 20 Jahren – Simon Tischer war sechsmal dabei. Der Titelsammler hat viel erlebt in seiner Laufbahn – nicht nur beim VfB Friedrichshafen: Nach dem Champions-League-Triumph 2007 erhielt er als Profi sieben Jahre lang in fünf verschiedenen Ländern (Griechenland, Türkei, Russland, Polen, Frankreich) gesteigerten Lohn für die Qualitätsarbeit am Netz. Sein erster Weg hatte den zweimaligen Olympia-Teilnehmer (Platz neun in Peking und Platz fünf in London) noch von Schwäbisch Gmünd nach Fellbach geführt. Mit dem SVF hatte er nach dem Aufstieg 2001 erstmals in der höchsten deutschen Spielklasse Bälle verteilt – und den Abstieg im März 2002 trotz schon viel beachteter Vorstellungen nicht verhindern können. An seiner Seite stand damals in der ersten Liga Adis Katanovic, der mittlerweile zum Trainerteam des Zweitligisten TSV Unterhaching II gehört, am Samstag (19.30 Uhr, Gäuäckerhalle I) aber nicht mit den bayerischen Gästen zum SV Fellbach zurückkehren, sondern krank zu Hause bleiben wird.

Wenn er denn gesund ist, lenkt der ehemalige bosnische Auswahlspieler den Aufsteiger an der Seite von Dejan Stankovic. Ihr Verbund ist als Zehnter dem designierten Absteiger GSVE Delitzsch zwar bloß um einen Platz voraus, gehört damit aber eben auch zu den zehn Mannschaften, die auf eine weithin ansprechende Saison blicken. Darunter der Tabellensiebte SV Fellbach, der drei Punkte mehr aufweist als der nächste Widerpart, aber auch schon einmal öfter der Konkurrenz gegenübergetreten ist. Zwölfmal hat der Meister 2015 und 2016 im Verlauf der Saison – bei neun Niederlagen – gewonnen, ist nach dem Umbruch im vergangenen Sommer nie ins Rutschen geraten. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was die Spieler bis dahin geleistet haben“, sagt Jonas Hanenberg. Zuweilen fehlen noch Konstanz und Konsequenz, doch der Teammanager und ehemalige Mitspieler sieht die Fortschritte „und die Jungs an manchen Tagen auch schon da, wo wir sie gern hätten“. Jonas Hanenberg lobt etwa die stete Entwicklung des 21-jährigen Außenangreifers Manuel Harms. Ausgesprochen gut gefallen hat ihm zuletzt auch die Vorstellung des erst 17-jährigen Liberos Daniel Schön beim überraschenden 3:2-Erfolg gegen den Tabellenzweiten SV Schwaig.

Noch allerdings kann diese Saison für einen jener Ligavertreter eine unerfreuliche Wendung nehmen, die bis dahin nicht wenig Erfreuliches erlebt haben. Hintergrund ist das Geschehen beim Erstliga-Achten TSV Herrsching. Der selbst ernannte geilste Club der Welt überprüft, wie geil er die Zugehörigkeit zum Volleyball-Oberhaus nach knapp vier Jahren überhaupt noch finden soll. Die Verantwortlichen sind an Grenzen angelangt, für eine strukturierte Zukunft auf Profiebene benötigen sie mehr – finanzielle – Unterstützung. Dafür haben sie eine Aktion („100 für erste Liga“) gestartet. Wenn sie nicht genügend Geldgeber finden, wollen sie sich aus der höchsten Spielklasse verabschieden. In dem Fall könnte der TSV Herrsching nach fristgerechtem Lizenzantrag (bis 2. Mai) in der zweiten Bundesliga Süd aufschlagen. Und dort müsste neben den L. E. Volleys aus Leipzig und wohl auch dem Tabellenelften GSVE Delitzsch – die Internatsschüler aus Frankfurt und Friedrichshafen dürfen losgelöst von Ergebnissen Erfahrungen sammeln – noch ein Team in die dritte Liga.

„Ich bin zuversichtlich dass wir nicht auf dem zehnten Tabellenplatz landen werden“, sagt Thiago Welter. Hilfreich dafür wäre am Samstagabend ein Erfolg eben gegen den Tabellenzehnten: gegen den TSV Unterhaching II. Trotz der verbreiteten Personalsorgen wegen Verletzung und Krankheit. Es braucht wieder eine verwegene Vorstellung der Verbliebenen. Auch der Jungen wie Manuel Harms oder Daniel Schön – an jenem Ort, an dem einst Simon Tischer seine Qualitäten verfeinerte.

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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