Improvisationskunst made in Fellbach

Beim Zweitliga-Titelverteidiger sind die personellen Rahmenbedingungen derzeit nicht meisterlich, er fügt seit Anfang Oktober aber wieder die Ergebnisse eines Champions aneinander. Daran will das Team des SVF am Samstag in Delitzsch anknüpfen.


28.10.2016

Foto: Patricia Sigerist

Er war einer der Meister 2015 und 2016. Jetzt ist Felix Klaue weg. Der 23-jährige Harry-Potter-Experte, den seine ehemaligen Mitspieler beim SV Fellbach Wizard rufen, verzichtet für geraume Zeit aufs zauberhafte Zuspielen. Felix Klaue zog es nach dem Studium der Medizintechnik in ferne Gestade auf diesem Planeten. Diese Woche flog er nach Australien. Auf dem Inselkontinent will er reisen und arbeiten. Die Volleybälle lässt er zurück. Die Volleyballer des Vereins seiner Wahl im Schwabenland nach dem Umzug aus Berlin im Jahr 2012 treten schon seit Beginn der laufenden Zweitliga-Saison ohne ihn an. Auch am Samstag (20 Uhr, Artur- Becker-Halle) beim GSVE Delitzsch. Ein bisschen neidisch dürfen die Daheimgebliebenen ja schon sein auf den Rucksackträger. Ihr Reiseziel im Osten dieses Landes mag ja auch seine Reize haben; die Gäste werden davon allerdings nicht viel mitbekommen. Zwischen ausgiebiger An- und Heimfahrt kann wohl bloß ein Sieg so etwas wie Urlaubsstimmung verbreiten.

Einmal war Felix Klaue inmitten seiner Reisevorbereitungen auch in dieser Saison noch im Aufgebot des SV Fellbach. Der Trainer Markus Weiß hatte ihn vor dem ersten Heimspiel gegen die TG Rüsselsheim II (3:1) um seine Unterstützung gebeten. Der Zuspieler fand sich aber gar nicht als Zuspieler unter den Einwechselkräften ein; den Part des Passgebers übernimmt außer Patrick Köder nun auch noch Christian Bura. Felix Klaue, der auch mächtig springen kann, stand fachfremd als Diagonalangreifer bereit. Denn im Schmetterressort kämpfte sich der arg erkrankte Valters Lagzdins durchs Spiel. Und Timo Koch, sein Positionspendant, gab der hartnäckigen Schulterprobleme wegen auch keinen idealen, weil einen gleichfalls angeschlagenen Vertreter. Felix Klaue ist in der Not gerne zurückgekehrt – ohne dann tatsächlich aufs Spielfeld zurückkehren zu müssen.

Die Anekdote vom zweiten Spieltag Anfang des Monats passt ganz gut in diese ersten Saisonwochen hinein. Der SV Fellbach fügt seit jenem 1. Oktober zwar wieder die Ergebnisse eines Champions aneinander: vier Siege in Serie. Die personellen Rahmenbedingungen sind aber nicht wirklich meisterlich. Der Trainer Markus Weiß weiß zwar auch ohne Felix Klaue 14 Akteure in seiner Obhut, muss aber dennoch improvisieren.

Schauen, wer gesund ist oder wer zumindest gesund genug ist. „Wir nehmen einen sehr großen Aufwand auf uns und haben wenig Regenerationszeiten“, sagt der Kapitän Marvin Klass, der wie seine Teamgefährten neben Beruf oder Studium zu den Volleybällen greift. Abends nach den Themen des Tages. „Aber wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir professionalisieren wollen, da muss man auch Verletzungen einkalkulieren.“

Der 27-Jährige selbst, in der vergangenen Saison der beste Spieler der gesamten Liga, hat eine Leistenoperation hinter sich. Zudem plagen ihn wie Timo Koch und überhaupt zahlreiche Volleyballer, die lange schon Bälle beschleunigen – Schulterprobleme. Marvin Klass hat in dieser Saison noch gar nicht gespielt. Der Außengreifer, Fellbacher Sportler des Jahres 2015, trainiert wieder: „Aber Dynamik und Explosivität fehlen noch gewaltig.“ Der Vordenker schaut von Tag zu Tag. Er wird in Delitzsch, beim Meister 2012, wie stets dabei sein. Ob er dort erstmals auch wieder in der zweiten Liga zulangen wird seit April, entscheidet sich kurzfristig. Fraglich ist zudem das Mitwirken seines Positionskollegen Yannick Harms. Der Beach-Profi und Garant für Stabilität in der Halle kann beim SV Fellbach nur mitspielen, wenn das wie zuletzt seine Stranddienstpläne erlauben.

Der Trainer Markus Weiß wird mit seinem Team, wie auch immer es am Samstag in Delitzsch ausschauen wird, den fünften Sieg im Oktober anstreben. Und in der Ferne drückt Felix Klaue die Daumen.

 Info Nach dem ersten Sieg (3:0 gegen den USC Konstanz) steht dem zweiten Team des SV Fellbach der vierte Regionalliga-Spieltag bevor. Beginn beim TSV G. A. Stuttgart in der Allianzsporthalle ist am Sonntag um 16 Uhr.

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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Landespokalsieger 2015

 

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