Mit Yannick Harms zum ersten Sieg

Der Beach-Profi mit der Nummer 18 kommt zur Heimpremiere in der Gäuäckerhalle I aufs Spielfeld und lenkt die Schlagmänner des SV Fellbach in der zweiten Bundesliga zu einem 3:1-Erfolg gegen die TG Rüsselsheim II.


04.10.2016

Foto: Heiko Potthoff

Es gibt diese markanten Momente in einer Saison, an die sich die Beteiligten oft auch sehr viel später noch erinnern können. Wegweisende Momente. Vielleicht haben die 270 Zuschauer am Samstagabend in der Gäuäckerhalle I eben solch einen Moment erlebt. Die Volleyballer des SV Fellbach waren gerade dabei, auch den vierten Satz in dieser Zweitliga-Runde zu verlieren, das zweite Spiel womöglich gar nach der 0:3-Auftaktniederlage gegen den TSV G. A. Stuttgart. Der Meister war, personell geschwächt, auch diesmal in Schwierigkeiten, lag auch gegen die TG Rüsselsheim II zurück. Doch diesmal war, anders als in Stuttgart, Yannick Harms im Aufgebot. Der Beach-Profi kam nach einem 15:18-Rück stand mit der Idee auf das Spielfeld, das Geschehen krachend zu wenden. Und bald war der mit zu vielen Fehlern gestartete Meister tatsächlich im Vorteil.

Den ersten Abschnitt griffen sich gerade so noch die Gäste (25:23). Anschließend allerdings brach der Alleskönner Yannick Harms mit seinen Teamgefährten den Widerstand – und mit drei starken Sätzen (25:17, 25:14, 25:18) nachdrücklich, wenn auch leicht verspätet zu neuen Zielen auf.

Luis Emilio Ferradas, der Trainer der TG Rüsselsheim II, wollte sich nach der Niederlage nicht grämen. Er hatte soeben ja eine Art Wettbewerbsverzerrung gesehen. „Der Fellbacher Spieler mit der Nummer 18 gehört nicht in diese Kategorie“, befand der Argentinier: „Das ist ein Erstliga-Spieler in der zweiten Liga.“ Der Spieler mit der Nummer 18, Yannick Harms natürlich, hatte nach seiner Einwechslung massiv und emotional Einfluss auf das Spiel genommen. So wie das im Zweifel halt einer kann, der schon in der höchsten Spielklasse Verantwortung übernommen hat (VfB Friedrichshafen, CV Mitteldeutschland). 22 ist er erst und ein gestählter Anführer auf dem Spielfeld, dabei ist ihm dieses Spielfeld unter Hallendächern gerade eher etwas fremd. Am Mittwochabend hatte der vielreisende Sandwühler, der als Barfußsportler die Olympischen Spiele 2020 in Tokio anstrebt, erstmals nach Wochen wieder mit Schuhen an der Seite der Fellbacher Nebenleute Volleyball gespielt. Drei Tage später hat er mit seiner Präsenz einen ausgewachsenen Fehlstart des Titelverteidigers verhindert. Und einen Anfang markiert. Der Meister ist nach schwierigen Tagen auch ohne seinen Kapitän Marvin Klass (Leistenoperation), der am Samstagabend als Assistent mit auf dem roten Trainersofa saß, wieder da.

Yannick Harms hat nach seiner Ankunft im Spiel ein Team angetroffen, dem er zwar helfen musste, das aber nicht hilflos war. Der SV Fellbach hatte erneut zu viele Probleme mit der Ballannahme nach den Aufschlägen des Gegners, bot ansonsten aber im ersten Durchgang auch wieder Passables. Der wohl beste Einwechselspieler der Liga stabilisierte die Ballannahme und stärkte die eh schon nicht schwachen Mitspieler auf den anderen Positionen.

Yannick Harms hat die größte, nicht aber die einzige Geschichte geschrieben an diesem Abend. So ist dem neuen Zuspieler Christian Bura, 23, der den Vorzug vor Patrick Köder erhalten hatte, die Heimpremiere in der Gäuäckerhalle I gelungen. „Chris hat ein Superspiel gemacht“, sagte der Trainer Markus Weiß. Der erfahrene Blocker Jonas Hanenberg, 27, überzeugte nicht allein mit ausdrücklicker Konsequenz am Netz; er unterstützte nebenbei immer wieder den nicht nur in der Ballannahme vielbeschäftigten Lehrling Tin Tomic, 19, mit Rat und Klaps. Und Valters Lagzdins?! Der Diagonalgreifer, 27, mit der geschmeidigen Defensivarbeit, in der vergangenen Saison meist verletzt und in den Tagen vor dem ersten Heimspiel krank im Bett, hielt auf hohem Niveau durch. Er bekam nur Ende des dritten Abschnitts eine Verschnaufpause; mehr war nicht drin, weil sein Positionskollege Timo Koch an Schulterbeschwerden laboriert. „Ich weiß nicht, was herauskommen wird, wenn wir bei Valters Fieber messen“, sagte Markus Weiß. Der vitale Patient selbst war hinterher bleich und gefasst.

Nächsten Samstag hofft Valters Lagzdins wieder gesund zuschlagen zu können. Der gesamte Fellbacher Verbund will bei den L. E. Volleys in Leipzig möglichst ohne das anfängliche Kränkeln ans Netz gehen, das den SVF in dieser Saison bis zum 15:18-Rückstand im ersten Satz der zweiten Begegnung geplagt hat. „Der Sieg war ganz, ganz wichtig für uns. Jetzt ist alles positiver“, sagte Markus Weiß. Und die nächsten Beachaufgaben sind fern: Yannick Harms will auch in Leipzig mit positiver Ausstrahlung für markante Momente gut sein. SV Fellbach: Lagzdins, Hanenberg, Bura, Tomic, Filo, Mättig, Jalowietzki, Harms, Koch, Köder, Nadale, Leipert, Winter, Klaue.

 

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


Ansprechpartner Presse


Presse & Öffentlichkeitsarbeit
SV Fellbach, Abteilung Volleyball
mail

Hall of Fame

Deutscher Vizemeister: 1998

Meister 2. Bundesliga 1995, 2001, 2015, 2016 

Aufstieg 2. Bundesliga: 2012

Regionalligameister: 2012

Oberligameister: 2011, 2012

Landespokalsieger: 2010

Sieger Süddeutscher Pokal 2014

Landespokalsieger 2015

 

Ehemalige Fellbacher Volleyballsternchen:

Karlo Striegel, Frank Bachmann, Christian Pampel, Holger Werner,Alexander Haas, Alexander Walkenhorst, Goran Iliev, Matthias Pompe, Simon Tischer, Christian Metzger, Dirk Oldenburg, Michael Dornheim, Jörg Ahmann, Stepan Masic, Ronny Pietsch, Christian Kilgus, Dirk Taubert, Robert Jetschina, Ronald Rietz, Paul Duerden, Petri Sainio, Marc Blaich, Michael Raddatz, Adis Katanovic, Simo Hanaoui, Gregory Hansen, Jochen Schmid, Adis Katanovic, Edgar Tetsuekoue ...