Rückstand als Vorstufe zum Satzgewinn

Der Zweitliga-Verbund des SV Fellbach um den Hauptangreifer Valters Lagzdins zeigt seine herausragende Stärke in den entscheidenden Spielphasen und bezwingt den TSV Grafing mit 3:1.


24.10.2016

Foto: Patricia Sigerist

An den Heimspieltagen sind bei den Volleyballern des SV Fellbach derzeit für gewöhnlich zwei im Haus, die jetzt schon wissen, wo sie im Sommer 2020 aufschlagen wollen. Der eine verfolgt wie der andere den Plan, die Olympischen Spiele in Tokio zu besuchen als Beachvolleyballer. Tim Holler, der eine, war in der vergangenen Saison auch noch im Aufgebot des Zweitligisten SV Fellbach. Jetzt schaut er den Kumpels zu, wenn er gerade mal nicht knapp vier Meter über der Sandoberfläche Gegner blockt. Yannick Harms, der andere, gehört immer noch zum Fellbacher Hallenteam. Am Samstag allerdings hätte er, weil krank zu Hause bis zum Treffpunkt, fast nicht mitspielen können. Er hätte dann auch fast nicht mitspielen müssen. Fast wären seine gesunden Mannschaftsgefährten gegen den TSV Grafing ohne den schonungsbedüftigen Außenangreifer zu einem 3:0-Sieg gestürmt. Die Akteure um den Trainer Markus Weiß sind aber doch noch abgekommen vom kurzen Weg ans Ziel und erst über Umleitungen mit Yannick Harms und mit einem 3:1-Erfolg (28:26, 25:19, 18:25, 25:22) dort angekommen.

Tin Tomic, 19, und Jan Jalowietzki, 20, verbrachten vor den 300 Zuschauern in der Gäuäckerhalle I einen erlebnisreichen und emotionalen Abend. Die mit Johannes Leipert Jüngsten beim SVF hatten richtig viel Verantwortung gegen widerborstige Widersacher. Der Kapitän Marvin Klass, 27, fehlt nach einer Leistenoperation noch immer auf der Außenposition. Yannick Harms (Markus Weiß: „Er hat erst um fünf Bescheid gegeben, dass er kommen kann“) war am Samstag nahezu unpässlich. Da blieb es Tin Tomic und Jan Jalowietzki vorbehalten, zentrale Rollen auf dem Spielfeld zu bekleiden.

Die beiden fanden nicht so gut ins Spiel, aber sie fanden sich immer besser zurecht. Sie erarbeiteten sich zusehends Lösungen und Selbstvertrauen. Sie hielten und sie hüpften zusammen. Einmal, es ging schon aufwärts im ersten Durchgang, versendete Jan Jalowietzki den Ball in schwieriger Lage als Luftpost von ganz weit hinten nach vorne ans Netz, wo ihn Tin Tomic mit Gefühl ins gegnerische Spielfeld löffelte. Danach kam Jan Jalowietzki fröhlich angeflogen bei seinem Passempfänger. Abklatschen. Umarmen. So war das immer öfter im zweiten Satz und bis zur 10:5-Führung im dritten Durchgang. Unversehens aber büßten die Fellbacher dann ein Stück weit Konzentration und Konsequenz ein. „90 Prozent reichen nicht. Wir brauchen 100 Prozent“, sagte Markus Weiß. Kleinigkeiten wollten jetzt nicht mehr so selbstverständlich gelingen wie noch ein paar Minuten zuvor.

Die Wirkung kann eine große sein: Der SVF war im dritten Abschnitt bald aussichtslos im Hintertreffen und im vierten Satz dann auch schon bedenklich mit 14:17.

Doch an diesem Samstag ließ sich wiederholt und zum wiederholten Male auch schon in dieser Saison – eine herausragende Stärke des Meisters begutachten. Ein Rückstand ist quasi die Vorstufe zum Satzgewinn!

„Die Jungs ziehen sich immer wieder raus“, sagte Markus Weiß. Das war gegen den TSV Grafing schon im ersten Abschnitt so, als die Volleyballer des SV Fellbach mit 22:24 zurücklagen und zwei Satzbälle abwehren mussten; den zweiten blockte Va lentino Nadale in einer Art und Weise, als käme ohnehin nichts anderes in Frage.

Der zweite Durchgang war ein Schaulaufen vor dem Showauftritt der ehemaligen Sportgymnastin Laura Jung, 15-mal deutsche Meisterin. Nach dem Kontrollverlust und dem verpassten 3:0-Erfolg schließlich stemmten sich Valters Lagzdins, der mit 25 Angriffspunkten später die Trophäe für den wertvollsten Spieler erhalten sollte, Patrick Köder, Jonas Hanenberg, Valentino Nadale, Sebastian Mättig, Jan Jalowietzki und nun doch auch Yannick Harms gegen den Tiebreak, gegen eine drohende Niederlage.

Der 3:1-Erfolg war da einfach die logische Folge, auch wenn bis zum Ende, bis zum tollkühn verwandelten Matchball von Valters Lagzdins nichts mehr einfach war.

Nach dem letzten Volltreffer durfte sich auch Yannick Harms wieder ausruhen. Der 22-Jährige stand geschlaucht im Foyer der Halle. Zwei Meter neben Tim Holler, dem anderen, der jetzt schon weiß, wo er im Sommer 2020 aufschlagen will.SV Fellbach: Lagzdins, Köder, Hanenberg, Tomic, Jalowietzki, Nadale, Mättig, Winter, Harms, Leipert, Filo, Bura, Klass, Koch.

Thomas Rennet   Fellbacher Zeitung


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