Ruhig, loyal und abgezockt

Spätberufener mit Teamgeist: Der 30-jährige Zuspieler Matthias Welsch, Anfang dieses Jahres der Personalnot wegen aus der zweiten Fellbacher Mannschaft nach oben gerückt, überzeugt im Zweitliga-Aufgebot um den Trainer Markus Weiß.


18.04.2017

Fotos: Patricia Sigerist

In das Programmheftchen des Zweitliga-Teams hat es Matthias Welsch mit der Rückennummer sechs noch nicht geschafft. Zum Jahreswechsel kam der 1,91 Meter große Zuspieler aufgrund von Personalsorgen in den Kader.

Sechsmal hat es seit Mitte Januar für einen Einsatz in der ersten Volleyballmannschaft des SV Fellbach gereicht. Bis dahin hatte Matthias Welsch von Oktober an alle Saisonspiele für das Regionalliga-Team des Vereins absolviert. Die Kurzinfos über ihn für das Programmheftchen sollen schon weitergeleitet worden sein, doch bisher wurde er in die Liste der Zweitliga-Akteure noch nicht aufgenommen. „Das ist aber auch nicht weiter schlimm“, sagt Matthias Welsch und lacht.

 Schlimm, wirklich schlimm hätte es vor knapp elf Jahren kommen können, als der heute 30-Jährige im Sommer 2006 in einem Freibad hart mit dem Kopf aufschlug. Spätere Untersuchungen machten ein bereits länger existierendes Blutgerinnsel im Gehirn ausfindig. Ungefähr zwei Jahre hat der Zuspieler gebraucht, um sich von den nach dem Unfall immer wieder auftretenden Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen zu erholen. „Ich bin froh, dass ich überlebt habe“, sagt Matthias Welsch, der mit dem Volleyballspielen im Alter von acht Jahren beim TV Murrhardt anfing und dabei von seinem Vater trainiert wurde.

Seit 2004 ist Matthias Welsch mittlerweile dem SV Fellbach verbunden – auch wenn er während seiner sechsjährigen Studienzeit an der Kölner Sporthochschule sowie an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe von 2008 bis 2014 andernorts Bälle verteilte. Denn dem Volleyballsport ist der Zuspieler in dieser Zeit auch treu geblieben. So spielte er in der Regionalliga für den MTV Köln 1850 und während seines Lehramtsstudiums in Karlsruhe für den TuS Durmersheim. „Volleyball ist meine große Leidenschaft. Während des Studiums war der Volleyballsport eine gute Gelegenheit, neue Menschen kennenzulernen“, sagt Matthias Welsch, der in seiner Freizeit auch gerne Mountainbike fährt, Tauchgänge unternimmt und Ski fährt. Heute unterrichtet der Grundschullehrer Deutsch, Englisch und Sport in Stuttgart- Mönchfeld und spielt parallel dazu in der zweiten Bundesliga. „Die Spiele und das Training sind ein toller Ausgleich zur Lehrertätigkeit“, sagt Matthias Welsch.

Die Berufung in das von Markus Weiß betreute Zweitliga-Team hat den 30-Jährigen sehr gefreut. Bereits im Alter von 17 Jahren durfte er mit der ersten Mannschaft mittrainieren, für einen Einsatz in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands hat es damals noch nicht gereicht. Sehr viel später, bei der 1:3-Heimniederlage Mitte Januar gegen den GSVE Delitzsch, feierte Matthias Welsch schließlich sein Debüt: „Mit dem Zweitliga-Einstand ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen.“

Seine Leistung findet auch bei Marvin Klass, dem Kapitän und erstligaerfahrenen Außenangreifer der Fellbacher Mannschaft, große Anerkennung. Nach dem 3:1-Sieg Mitte Februar gegen die L. E. Volleys aus Leipzig bezeichnete der 28-Jährige dessen Spielweise als „sehr abgezockt“.

Das bis dahin letzte Heimspiel gegen die FT Freiburg (3:1) und den anschließenden 3:0-Auswärtssieg am vergangenen Samstag gegen die FT Freiburg erstmals wieder während der gesamten Begegnung auf dem Feld und wurde zuletzt nach dem Sieg bei der TG Rüsselsheim II zum wertvollsten Akteur gekürt. „Ich versuche immer, im Training alles zu geben und bin natürlich enttäuscht, wenn ich nicht spielen darf. Doch wichtiger ist, dass das Team gewinnt“, sagt Matthias Welsch. Der Fellbacher Trainer Markus Weiß beschreibt den aus der zweiten Mannschaft nach oben beorderten Matthias Welsch dementsprechend als „feinen Kerl und ruhigen sowie loyalen Arbeiter, der um seinen Platz in der Mannschaft kämpft“.

 

Nach dem Spielschluss gegen die FT Freiburg begab er sich kürzlich wieder auf die Tribüne der Gäuäckerhalle I zu seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Freundin, die ihn bei jeder seiner Partien in Fellbach unterstützen. Vielleicht ergibt sich für sie zum Abschluss der Saison zu Hause gegen den VC Dresden am 22. April nicht nur die Gelegenheit, einen weiteren Einsatz von Matthias Welsch in der zweiten Bundesliga mitzuverfolgen, sondern auch seinen Namen mit der Rückennummer sechs im Programmheftchen zu finden.

Dominik Emme   Fellbacher Zeitung


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