Von der Champions League nach Fellbach

Yannick Harms, davor schon mit dem VfB Friedrichshafen international gefordert, ist jetzt Beach-Profi am Bundesstützpunkt in Bad Cannstatt. Nebenbei bereichert der nun 22-Jährige unter Hallendächern das Aufgebot des Zweitliga-Tabellenführers. Uwe Abel


16.01.2016

Seit dem Sommer des vergangenen Jahres trägt Yannick Harms das Trikot der Zweitliga-Volleyballer des SV Fellbach. Der 1,95 Meter große Außenangreifer mit Spielerfahrung aus der Champions-League und der Junioren-Nationalmannschaft wechselte vom Erstligisten CV Mitteldeutschland nach Fellbach. Beim ersten Hinschauen könnte man meinen, Yannick Harms wäre sportlich abgestiegen. Quasi von der High Society, der ersten Liga, in die gehobene Oberschicht, die zweite Liga. Beim genauen Hinsehen erkennt man aber: Es war kein Abstieg, es war ein Umstieg. Eine Verschiebung der Prioritäten.

Die Volleyballkugel soll nicht mehr in der Halle, sondern nun beim Beachvolleyball im Mittelpunkt stehen. „Im Winter 2014 habe ich intensiv darüber nachgedacht, umzusatteln“, sagt Yannick Harms.

„Der U-23-Beach-Nationaltrainer Jörg Ahmann empfahl mir, an den Stützpunkt in Bad Cannstatt zu wechseln und dort mit Philipp Arne Bergmann ein Team zu bilden.“ Gesagt, getan. Doch mit 21 Jahren wollte Yannick Harms der Hallenvariante noch nicht komplett abschwören. So führte der Weg zu den Zweitliga-Volleyballern des SV Fellbach. Deren Kader bereichert Yannick Harms – auch mit dem Au- genmerk auf Beachvolleyball – nachhaltig. Zumal man in Fellbach gut wusste, wen man dazugewinnt. Bereits einige Jahre zuvor hatte Yannick Harms für den SVF zugeschlagen. Nachdem der seit Donnerstag 22-Jährige mit zehn Jahren das Volleyballspielen bei der TSG Backnang begonnen hatte, spielte er, mit reichlich Talent, großem Willen und einer regen Auffassungsgabe ausgestattet, bereits in der Spielzeit 2009/2010 per Doppelspielrecht mit der zweiten SVF-Vertretung in der Oberliga. Und nicht nur in den Kaderteams, auch beim renommierten VfB Friedrichshafen blieb das Talent nicht unbemerkt. Mit 16 Jahren fand er so 2010 an den Bodensee.

Mit den anderen Talenten der VYS Friedrichshafen ging es fortan in der zweiten Bundesliga um Punkte. Vor allem ging es aber um das Sammeln von Erfahrungen. Auf dem Volleyballfeld und daneben. Weit weg vom Elternhaus in Backnang lebte der Teenager alleine bei einer Gastfamilie. In Eigen- regie baute er am Graf-Zeppelin-Gymnasium in Friedrichshafen sein Abitur. Einmal aber, die Erinnerung ist präsent. da war der Rat der Eltern gefragt: „Im Winter 2012 hat mir der Erstliga-Trainer Stelian Moculescu für die neue Saison einen Platz im Kader des ersten Teams angeboten. Ich habe dann mit meinen Eltern überlegt, was ich tun soll.“ Schmunzelnd schiebt Yannick Harms hinterher: „Wir haben aber nur sehr, sehr kurz überlegt.“ Es galt, zuzugreifen, und in einer europäischen Spitzenmannschaft  mitzuspielen.

„Sportlich lief es für uns zu der Zeit beim VfB Friedrichshafen nicht so gut“, sagt Yannick Harms.

„Aber dadurch bekam ich die Chance, immer mal wieder spielen zu dürfen.“ So zieren Auftritte in der Champions-League oder der 3:2-Sieg im Pokalfinale 2014 gegen den Dauerrivalen aus Berlin den sportlichen Lebenslauf. „Ich habe sehr viel gelernt“, sagt der Wahl-Fellbacher, „und das wollte ich dann zeigen.“

So führte der Weg weiter nach Leuna, zum Erstligisten VC Mitteldeutschland. Dort schätzte Yannick Harms – aus gemeinsamen Zeiten am Bodensee – „Ulf Quell als hervorragenden Trainer.“ Doch nach nur einem Jahr war dann, Mitte 2015, auch im Osten Deutschlands Schluss. Schluss mit Hallenvolleyball. Dass Volleyball egal in welcher Form für den neuen Fellbacher Angreifer der Lebensmittelpunkt ist, stellt dieser per Selbstreflexion lachend fest: „Mein Hobby ist Beachvolleyball, aber das geht jetzt nicht mehr. Also ist jetzt Hallenvolleyball mein Hobby.“ Sein Hobby führt ihn an diesem Samstag, 20 Uhr, erstmals in diesem Jahr wieder zu einem Zweitliga-Heimspiel in die Gäuäckerhalle I, in der er mit dem Tabellenführer SV Fellbach auf den TSV Grafing  trifft.

Und wenn außer Volleyball, Beachvolleyball und dem speziell für Spitzensportler konzipierten Studium (Internationales Sportmanagement) an der Hochschule Ansbach mal noch Zeit bleibt, dann ist Yannick Harms vor allem mit seiner Freundin Laura zusammen. So wie rund um den Jahreswechsel. Da ging es für beide „nach eineinhalb Jahren erstmals wieder in den Urlaub.“ Nach Ägypten, zum Baden an Meer und Strand. Ob dabei auch Volleyball gespielt wurde? „Ach ja, mal sehen“, sagte Yannic Harms vorher. Also: ja.

 

Uwe Abel   Fellbacher Zeitug


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