Interview - „Wir haben ein Superteam“

Stephan Strohbücker, der Manager des Zweitliga-Tabellenführers SV Fellbach, spricht über den Teamsport Volleyball, in dem einer allein keine Gegner austanzen kann, über die breite Unterstützung in der Abteilung und über die Erstliga-Ambitionen.

 

Stephan Strohbücker ist der Mann an der Seite der Mannschaft: der Teammanager. Er hat Großes vor. Er will die Volleyballer des SV Fellbach, gerade schon wieder Tabellenführer in der zweithöchsten Spielklasse, 2017 in die erste Bundesliga leiten. Der 33-jährige setzt dabei nicht nur auf die Akteure am Netz, es wird auch und gar nicht zuletzt auf das Netzwerk ankommen. Auf die Unterstützung aus Politik und Wirtschaft. „Einen Erstligisten als Aushängeschild zu haben ist für eine Stadt wie Fellbach eine herausragende Chance“, sagt Stephan Strohbücker im Interview mit der Fellbacher Zeitung.


04.01.2016

Volleyball, immerzu Volleyball. Haben Sie denn neben dem Beruf und Volleyball noch Zeit für anderes?

Zunächst einmal wünsche ich Ihnen und Ihren Lesern ein gesundes und frohes neues Jahr. Zu Ihrer Frage: Zum Glück ja. Auch wenn Freunde und Familie das nicht immer so sehen (lacht). Viele Freunde sind zum Glück ähnlich volleyballverrückt wie ich und kennen es daher nicht anders. Sie haben aber recht, das Berufsleben und den Volleyball unter einen Hut zu bekommen, erfordert von mir als Teammanager eine gute Planung. Wir haben ein Superteam nicht nur auf dem Feld und versuchen die Aufgaben zunehmend besser zu verteilen. Während der Saison sind für mich natürlich die Heimspieltage komplett geblockt. Bei Auswärtsspielen bin ich nur selten dabei, um Zeit für Privates zu haben.

Zeit auch für die Lebensgefährtin – Inga. Spielt sie denn wenigstens auch Volleyball?

Nein, sie hat jedoch großen Gefallen an dem Sport gefunden. Es geht schnell zur Sache, gibt keine Verschnaufpausen, und bis zum Sieg hat man mindestens 75-mal die Gelegenheit, mit dem eigenen Team zu jubeln. Das ist ganz anders als beim Fußball, bei dem ein Spiel 0:0 ausgehen kann. Sie ist sehr interessiert. Sie hat eine neutrale Sicht auf die Dinge und gibt mir wichtige Tipps, was wir organisatorisch besser machen können. Schließlich wollen wir Leute wie sie mit unserem Sport unterhalten und so eine zusätzliche junge Publikumsgruppe für Volleyball begeistern. Und wenn Sie die Zuschauerentwicklung ansehen, gelingt das zunehmend gut.

Bei Ihnen nimmt der Sport immer mehr Raum ein, obschon Sie selbst kaum mehr spielen. Ist das denn nicht auch mal unbefriedigend?

Das ist richtig. Ich habe vor zwei Jahren mit Diego Ronconi die Möglichkeit bekommen, eine Mannschaft samt Umfeld aufzubauen. Ich war immer Teamsportler, weil man gemeinsam mehr erreichen kann. Das haben wir mit der Meisterschaft im Vorjahr gezeigt: Die Volleyballabteilung des SV Fellbach ist ein echtes Team. Das ist durchaus sehr befriedigend für mich, so dass ich meist das eigene Sport- treiben nur selten vermisse. Ab und an mache ich beim Training mit, dann ist schon auch etwas Wehmut mit dabei spätestens beim Zusammensitzen nach dem Training.

Als Teammanager sind sie ja auch oft bei der Mannschaft. Ist das vergleichbar?

Auf jeden Fall. Wir verstehen unter dem Begriff Team mehr als die 15 Spieler. Zu unserem „roten Rudel“ gehört beispielsweise auch unser Physiotherapeut Daniel Burgard dazu. Letztlich kann das Team auf dem Feld dauerhaft nur so gut sein, wie sein Umfeld, also das gesamte Rudel. Wir sehen bei den Spielen „nur“ das Resultat der Arbeit aller. Eine Sache, die Volleyball auszeichnet, ist, dass die beste individuelle Leistung nichts wert ist ohne ein Team – im Alleingang den Gegner austanzen geht schlichtweg nicht, da jeder nur einen Ballkontakt hat. Das sieht jeder unserer Spieler zu 100 Prozent genauso. Ich und Trainer Markus Weiß freuen uns über jeden Punkt, so als ob wir selbst mit auf dem Feld stehen würden.

 

Die Mannschaft jedenfalls wird immer besser. Erst Meister mit dem Trainer Diego Ronconi, jetzt trotz erheblicher Personalprobleme schon wieder Tabellenführer mit dem Trainer Markus Weiß. Mehr als Sie zu diesem Zeitpunkt erwarten durften?

(lacht) Schön, dass sie von Personalproblemen sprechen und nicht von -sorgen. Solange wir gewinnen, haben wir keine Sorgen. Mit der Herbstmeisterschaft hatten wir nicht gerechnet. Unser Primärziel für diese Saison ist, unseren jungen Spielern nach und nach mehr Verantwortung zu geben. Die Meisterschaft wollen wir lange offen halten, und die Spieler sollen mit dem Druck des Verfolgten umgehen lernen. Beides klappt aus meiner Sicht recht gut. Nehmen wir beispielsweise Pascal Winter, der sich unter anderem gegen ein langjähriges Topteam wie die L. E. Volleys aus Leipzig hervorragend schlägt. Gleiches gilt für Timo Koch, der eine neue Position spielt, und auch Florian Sellner bekommt mehr Spielpraxis. Alle genannten Spieler hatten vergangene Saison noch deutlich weniger Spielanteile und konnten ihr Niveau steigern. Auch Tin Tomic, unser Jüngster, entwickelt sich beispielhaft und wird im Laufe der Rückrunde Spielpraxis in der zweiten Volleyball-Bundesliga erhalten.

Markus Weiß findet offenbar fast immer eine (personelle) Lösung...

... da kann ich nicht widersprechen. Doch auch er wird sich weiterentwickeln und wie die Spieler zusätzliche Erfahrungen sammeln, was uns mit Blick auf die erste Liga guttun wird.

 

Der SVF will aber auch nicht fünfmal nacheinander Zweitliga-Meister werden. Als Ziel haben Sie den Aufstieg 2017 ausgegeben. Wie ist da ungeachtet der sportlichen Qualifikation der Stand der Dinge?

Wir spielen gerade mal eineinhalb Jahre auf dem jetzigen Niveau. Davon zu sprechen, dass die nächsten fünf Meistertitel nur über uns gingen, wäre vermessen und würde nicht berücksichtigen, wie sich die anderen Vereine in der zweiten Bundesliga weiterentwickeln. Leipzig, Schwaig, Freiburg und neuerdings Eltmann muss man dabei besonders hervorheben. Der Volleyball in Deutschland ist im rasanten Wandel, das zeigen nicht zuletzt die Zweitliga-Projekte, die oben angekommen sind, wie die United Volleys in Frankfurt, Herrsching am Ammersee oder Lüneburg aus dem Norden. An der Vision, Spitzenvolleyball in Fellbach anbieten zu können, hatte übrigens auch Diego Ronconi seinen Anteil, der über die eigene Schaffenszeit hinaus etwas aufbauen wollte. Aber zurück zum Thema Aufstieg 2017: Unser Projektziel heißt zunächst Meisterschaft 2017. Der tatsächliche Aufstieg soll dann letzt- lich von wirtschaftlichen Faktoren abhängen. Der Anreiz ist, das Produkt #RotesRudel, also den Fellbacher Volleyball, weiterzuentwickeln. Die Verantwortlichen der Volleyballabteilung und ich setzen uns deshalb intensiv mit den Anforderungen der ersten Liga auseinander. Dazu haben wir das Projekt „Erstligatauglichkeit 2017“ ins Leben gerufen und nehmen logischerweise dieses Jahr am unverbindlichen Vorlizenzierungsverfahren zur ersten Bundesliga teil. Hier beleuchten wir alle relevanten Themenfelder und finden individuelle Lösungen.

 

Ein gewaltiges Projekt...

ist das mit Sicherheit. Was uns Mut geben sollte, ist, dass wir nicht die Ersten sind, die sich auf eine solche Reise machen. Den Etat etwa zu vervierfachen ist dabei nur eine Aufgabe. Ein signifikanter Baustein ist die organisatorische und strukturelle Entwicklung. Die Volleyball-Bundesliga, kurz: VBL, tritt nicht nur im Rahmen des (Vor-)Lizenzierungsverfahrens als Berater in Erscheinung. Mitte Dezember haben wir uns zu einem fruchtbaren, zweitägigen Workshop hier in Fellbach getroffen und insgesamt 16 Handlungsfelder beleuchtet. Angefangen bei Administration und Lizenzierungsanforderungen bis hin zum Thema Hallensituation, Eventisierung, TV und Marketing haben wir die Möglichkeit, auf den gewaltigen Erfahrungsschatz der VBL zurückzugreifen. Besonders bereichernd für mich ist dabei, dass sich die Vereine trotz sportlicher Konkurrenz gegenseitig mit ihrem Wissen unterstützen. Ich stehe zum Beispiel in regelmäßigem Austausch mit dem TSV Herrsching, der einen ähnlichen Weg vor zwei Jahren gegangen ist. Hier merkt man, dass wirklich etwas hinter dem VBL-Claim „Home of Respect“ steckt und alle Vereine das Ziel haben, Volleyball in Deutschland voranzubringen. Nicht zuletzt mit dem anspruchsvollen Masterplan sehe ich uns auf einem guten Weg.

Wie viel Unterstützung erfahren Sie noch?

Unser Projekt steht ja noch am Anfang, und glücklicherweise erfahren wir nur positiven Zuspruch seitens der Abteilung und des Hauptvorstands, aber auch der Partner und Sponsoren. Auch was die Spieler, die fast täglich trainieren, zusätzlich leisten, wird kaum gesehen. Das ist enorm. Besonders wichtig ist es mir, mich bei allen ehrenamtlichen Helfern zu bedanken, ohne die ein Bundesliga-Spiel- betrieb überhaupt nicht möglich wäre. Es ist völlig klar, dass das im Oberhaus nicht durch rein ehrenamtliches Engagement zu bewältigen ist. Denn das reicht natürlich nicht aus. Als Erstligist ist man bundesweit präsent, und auch die mediale Präsenz erhöht sich gewaltig. Und wenn Fellbach aufsteigen will, um sich auf der Landkarte der ersten Volleyball-Bundesliga zu etablieren und nachhaltig ins Gedächtnis zu bringen, müssen viele Hände mit anpacken. Da sind beispielsweise auch die Politik und die Wirtschaft in einem viel größeren Rahmen gefordert. Einen Erstligisten als Aushängeschild zu haben ist für eine Stadt wie Fellbach eine herausragende Chance.

 

Können Sie auch die Mitglieder mitnehmen auf den Weg, die sich nicht so sehr an den Vizetitel während der sechs Erstliga-Jahre des SV Fellbach bis 2002 erinnern, sondern an den großen Finanzcrash 1998?

Es ist wichtig zu verstehen, dass das heutige Projekt mit dem von damals überhaupt nichts mehr zu tun hat. Die Anforderungen der Liga im Rahmen eines wirtschaftlichen Lizenzierungsverfahrens gehen über einen externen Wirtschaftsprüfer zum Lizenzierungsausschuss. Sie sehen also, auch das Risikomanagement hat sich signifikant verbessert. Wir wirtschaften seit Jahren beständig und entwickeln uns solide, was alle wirtschaftlichen Kennzahlen angeht. Der Lizenzspielbetrieb trägt sich finanziell selbst. Der Oberbürgermeister Christoph Palm ist übrigens bereits überzeugt, dass „in einer wirtschaftsstarken Stadt wie Fellbach die finanzielle Basis für einen Erstligastart gelegt werden“ kann.

 

Also spielt der SV Fellbach im Oktober 2017 in der ersten Bundesliga?

Für solch eine Aussage ist es definitiv zu früh. Denn wie bereits erwähnt, muss für den Aufstieg eine gesunde finanzielle Basis vorhanden sein. Wir wären dann im Profisport angekommen, und es ist klar, dass wir in der ersten Liga einen sehr viel höheren Etat brauchen als den aktuellen. Deshalb heißt die Vision erste Bundesliga. Den genauen Weg dorthin müssen wir mit der Politik und der Wirtschaft weiter erarbeiten. Das ist ein hochgestecktes Ziel. Anders als Helmut Schmidt, der empfahl, Menschen mit Visionen sollen zum Arzt gehen, bin ich jedoch der Meinung, dass man aus Organisationen und Menschen nur mit Visionen und anspruchsvollen Zielen das Beste herausholen kann. Das gilt nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Berufsleben.

 

Kann der Aufstieg unter Umständen auch schon ein Jahr früher realisiert werden?

Ob das unter Umständen passieren könnte? Ja. Ob ich es für wahrscheinlich halte? Nein. Gleichwohl will ich nichts ausschließen, wenn die Rahmenbedingungen optimal sind. Sollte zum Beispiel ein Unternehmer mit entsprechender finanzieller Power unser Projekt im Frühjahr interessant finden, hätten wir die Möglichkeit, unseren Zeitstrahl entsprechend anzupassen und auch die sportliche Zielsetzung zu ändern.

 

Und was macht die Freundin, wenn mal ein Erstliga-Team nicht unwesentlich von der Arbeit ihres Lebensgefährten abhängt?

Sie würde sich freuen und stolz sein, dass ihr Freund einen Teil dazu beigetragen hat.

 

Schon jetzt hat sie es ja nicht leicht. Diese Woche läuft das Zweitliga-Team nach kurzer Pause bereits wieder auf Hochtouren.

Sie hat es genauso leicht oder schwer wie alle anderen Partner unseres Teams oder anderer Personen aus der Abteilung, die genauso leidenschaftlich und engagiert dem Thema Volleyball gegenüberstehen wie ich. Über die Feiertage hatten wir zwei Wochen frei, was für uns die Optimallösung war. Mehr ist nicht drin, da wir bereits am Samstag ins Jahr 2016 starten und im Gegensatz zur Hinrunde drei Punkte gegen den SV Schwaig holen wollen. Um dies zu erreichen, bereiten wir uns am Mittwoch gemeinsam mit dem Erstligisten TV Rottenburg in einem Charity-Spiel zu Gunsten der Aktion 6666 der Fellbacher Zeitung auf anspruchsvolle Wochen und Aufgaben vor.

 

Thomas Rennet Fellbacher Zeitung


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Hall of Fame

Deutscher Vizemeister: 1998

Meister 2. Bundesliga 1995, 2001, 2015, 2016 

Aufstieg 2. Bundesliga: 2012

Regionalligameister: 2012

Oberligameister: 2011, 2012

Landespokalsieger: 2010

Sieger Süddeutscher Pokal 2014

Landespokalsieger 2015

 

Ehemalige Fellbacher Volleyballsternchen:

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